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Das Schwarzgurtsystem

Gürtelsysteme im Karate-2 [75 KB]

Japanische Grade

Die Aufteilung in zehn Meistergrade ist im Allgemeinen üblich bei japanischen Kampfkunst- bzw. Kampfsportarten. Dabei heißt Shodan wörtlich „Anfangsgrad“, die übrigen enthalten das entsprechende Zahlwort als Vorsilbe und heißen damit „Zweiter Grad“, „Dritter Grad“ usw. Jedem Dan-Grad entspricht auch eine Gurtfarbe:


Graduierungen heute 

Heute wird das Dan-System neben dem Judo unter anderem auch im Iaidō, Jiu Jitsu, Kendō, Karatedō, Kyūdō, Hapkido, Taekwondo, Aikidō und bei den Brettspielen Go undShōgi verwendet. Im Iaido, Kyūdō, Kendō, Go und Shōgi werden jedoch keine Gürtel als Kennzeichen der Graduierung verwendet.
In den meisten „gürteltragenden“ Kampfsportarten werden die „Schwarzgurte“ (1. bis 5. Dan) aufgrund technischer Prüfungen verliehen. In vielen Sportarten gelten die höheren Grade der Meisterschaft auch als „geistige“ Meisterschaft, bei der der Träger eines entsprechenden Dan beginnt, die intellektuellen Hintergründe, Werte und Einsichten, die ein Kampfsport bzw. eine Kampfkunst vermittelt, zu verinnerlichen.
Ein niedriger Dan-Grad wird in jüngeren Budō-Systemen mit dem Tragen eines schwarzen Gürtels kenntlich gemacht. Die höheren Dan-Grade werden entweder ebenfalls mit einem schwarzen, oder auch mit einem rot-weißen, weiß-blauen, roten oder wiederum weißen Gürtel (entsprechend dem niedrigsten Schülergrad) gekennzeichnet. Letzteres begründet sich in der asiatischen Philosophie und soll symbolisieren, dass die Schüler- und Meistergrade einen geschlossenen Kreis, eine Harmonie bilden. Allerdings oft nur theoretisch, denn in den meisten Kampfsportarten werden die höchsten Dan-Grade kaum oder gar nicht vergeben, da sie als Vollendung der Kunst angesehen werden.
Entgegen landläufiger Annahme bedeutet das Erreichen des 1. Dan keineswegs die perfekte Meisterschaft. Die Bedeutung des Wortes Dan (wörtlich „Stufe“) legt nahe, dass jeder Dan ein Schritt von vielen ist. In einigen Systemen gilt vielmehr, dass der 1. Dan lediglich die Befähigung darstellt, die eigentliche Kampfkunst zu erlernen, d. h. den Abschluss einer lediglich vorbereitenden Ausbildung markiert.
Beachtet werden sollte auch, dass es keine einheitlichen Kriterien für die Vergabe einer Dan-Graduierung gibt, weder sportartübergreifend, noch innerhalb der einzelnen Disziplinen. Ein 1. Dan Karate ist nicht vergleichbar mit einem 1. Dan Judo oder einem 1. Dan Kendō. Dies gilt ebenfalls innerhalb der Systeme, die sich in jeweils unterschiedliche Stilrichtungen gliedern, wie zum Beispiel Karate (beispielsweise die Stile Shōtōkan, Shōtōkai, Wadō-Ryū) oder Aikidō (z. B. Aikikai, Iwama Ryu oder DAB). Aufgrund abweichender Prüfungsinhalte bzw. Graduierungskriterien ist also beispielsweise ein 5. Dan Aikidō im Aikikai nicht identisch mit einem 5. Dan Aikidō, der im DAB oder einer anderen Stilrichtung vergeben wurde.
Ebenso ist nicht in allen Sportarten festgelegt, wer eine Dan-Graduierung vergeben darf und auf welchem Weg dies erfolgt. Es gibt Graduierungen, die von einzelnen Meistern, die einer eigenen Stilrichtung vorstehen, vergeben werden, ebenso wie solche, die von einem Kollegium oder von Verbänden (z. B. Korporation Internationaler Danträger (KID),Deutsches Dan-Kollegium (DDK), etc.) vergeben werden. Graduierungen können aufgrund von technischen Prüfungen (vergleichbar einer Prüfung an einer Hochschule), oder aber durch Ernennung ohne explizite Prüfung vergeben werden.
Internationale Spitzenkämpfer in den Kampfsportarten, welche Wettbewerbe austragen, haben in der Regel höchstens den dritten Dan inne. Dies ergibt sich durch die Mindestvorbereitungszeiten zwischen den Dan-Prüfungen und somit auch durch das Alter der Kämpfer, das meist durch die Vorgaben und Anforderungen des Leistungssports für Aktive begrenzt wird.






Prüfungen ( Prüfungsordnung-Stiloffen [204 KB] )

Zum Erlangen des nächsthöheren Schüler- bzw. Meistergrades werden Prüfungen nach einem festen Programm und einer Wartezeit, je nach Kyu- und Dan-Graden verschieden, abgelegt. Die Programme der Prüfungen unterscheiden sich von Verband zu Verband, gelegentlich gibt es sogar Unterschiede in einzelnen Dōjō. Das Ablegen der Prüfungen dient als Ansporn und Bestätigung des Erreichten, ähnlich wie in unserem Schulsystem. In den Prüfungen wird auf Technikausführung, Haltung, Aufmerksamkeit, Kampfgeist, Konzentration und Willen geachtet. Der Gesamteindruck entscheidet. Bei höheren Meistergraden (meist ab dem 5. Dan) erhöht sich der theoretische Prüfungsanteil erheblich. In einigen wenigen Organisationen werden diese Dangrade gar nur aufgrund besonderer Leistungen und Verdienste verliehen. Im Shotokai ist der 5. Dan (Godan) die höchste Auszeichnung.

Yudansha (1.- 4. Dan) der "Krieger"

Im traditionellen-Karate-Do kann der eher bescheidene Anspruch der ersten Dan-Graduierungen verdeutlicht werden: Dabei sind zunächst die technischen Dan-Grade (Yudansha), 1. Dan (Shodan), 2. Dan (Nidan), 3. Dan (Sandan) und 4. Dan (Yondan), die Schwarzgurt-Stufen der "Krieger". Diese befinden sich zwar auf hohem technischen Niveau, lernen aber immer noch dieselben Techniken, die sie als fortgeschrittene Kyu-Grade formal gemeistert haben.
Doch sie befinden sich nicht mehr auf der Weg-Stufe der ausschliesslichen, unabdingbaren Form-Bindung (Shu-Prinzip), sondern am Beginn der Weg-Stufe der Form-Freiheit (Ha-Prinzip). Das bedeutet, dass sie nun die Karate-Praxis von einem reiferen, höheren Standpunkt aus zu verstehen lernen (Okuden), in dem sie über die reine Technik "hinauswachsen", nicht in der blossen Wiederholung "stecken", oder an ihr verhaftet bleiben.
Diese Dan-Grade sind nach wie vor Schüler und keine Meister (Meister ab 5. Dan). Sie bedürfen weiterhin der Anleitung ihres Lehrmeisters (Sensei), um auf dem Weg weiter voranzukommen bzw. weiter in die Kunst des Karate-Do einzudringen.
Man geht nun vielmehr davon aus, dass jetzt die eigentliche Karate-Ausbildung erst beginnt! Die Anfänger-Gürtel-Grade dienen, wenn man so will, dem "Aussortieren" derer, die für den weiteren oder eigentlichen Karate-Weg doch nicht in Frage kommen, weil sie schon vorher aufhören, dann nämlich, wenn es nicht schnell genug geht oder sie eben doch nur an Äusserlichkeiten (Titel, Pokale usw.) interessiert sind.
Mit der Erlangung der ersten Dan-Grade fängt die "Einweihung" in die Kampfkunst erst an, die vertiefte Auseinandersetzung, das Verstehen, worum es im "traditionellen Karate-Do" geht. Diese Schwarzgurte werden als die "wahren" Schüler des Karate-Do aufgefasst.

Shodan: Der erste Schritte ist geschafft und der Weg in die Meisterränge ist entscheidend kürzer geworden. Meistens dauert der Weg vom ersten Training bis hin zum ersten schwarzen Gürtel, der Shodan, zwischen 6 und 12 Jahren. Während zu Beginn des Training der schwarze Gürtel oft als ultimatives Ziel angesehen wird, so lernt man auf dem Weg dahin, dass dieser gerade mal den ersten Schritt auf dem Weg zum Meister ist. Der Weg ist das Ziel, nicht der Gürtel. Spätestens mit Erreichen des Shodan sollte ein Karateka Karate als Weg erkannt haben...




Das Dan - System ( Yudansha ) :


Das Dan - System ( Schwarzgurte - Kuro Obi ) hat meister Gichin Funakoshi in das Karate - Do eingeführt.
Davon sind vier Grade als technische Meistergrade definiert:

Technische Meistergrade des Budo ( Yudansha )
1. Grad - Shodan ( Grad des Suchenden nach dem Weg )
2. Grad - Nidan ( Grad des Schülers am Anfang des Weges )
3. Grad - Sandan ( Grad des anerkannten Schülers )
4. Grad - Yondan ( Grad des technischen Experten )

Geistige Meistergrade des Budo ( Kodansha )
5. Grad ( Godan ) - Renshi ( Grad des Wissens )
6. Grad ( Rokkudan ) - Renshi ( Grad des Wissens )
7. Grad ( Shichidan ) - Kyoshi ( Grad der Reife )
8. Grad ( Hachidan ) - Kyoshi ( Grad der Reife )
9. Grad ( Kudan ) - Hanshi ( Grad der Reife )
10. Grad ( judan ) - Hanshi ( Grad der Reife )


KYUDAN - Das Gürtelrangsystem

SHU - HA - RI:
Weg von drei Stufen, Shu - das Erlernen der Formen, Kindheit, Ha - das Überschreiten der Formen, mittlere Reife und Ri - die Transzendenz, Reife.

MUDANSHA:
Die Lehrlinge = nicht graduierte Person, entspricht der Shu-Form (Stufe) nach dem SHU-HA-RI und somit als eine Vorbereitung auf den Weg. Erste Konfrontation mit den Formen und den Verhaltensregeln.
Mu = nicht, Dan = Grad, Sha = Mensch


YUDANSHA:
Die Krieger = die technischen Dangrade vom 1. Shodan bis zum 4. Yondan, entspricht der Ha-Form (Stufe) = Formfreiheit des Weges. Zur technischen Perfektion übt sich der Yudansha mit geistiger Voraussetzung (Shin) und der richtigen Haltung (Shi-sei) den Forderungen des Weges entsprechend gerecht zu werden.

SHODAN:
1.Graduierung = schwarzer Gürtel (Obi). Hier beginnt der Weg des Budo, und dies ist nicht mit der Meisterschaft in einer Budo-Disziplin zu verwechseln. Dieser Grad berechtigt zum Tragen des schwarzen Gürtels und ist der erste Schülergrad. Man nennt ihn auch Grad des Suchenden.
Sho = klein, Dan = Grad


NIDAN:
2.Graduierung = schwarzer Gürtel. Der Schüler steht noch am Anfang des Weges und hat nun die Bedingungen des Weges durch seine rechte Haltung verstanden. Er hat sich noch nicht endgültig entschlossen, den Weg mit all seinen Hindernissen zu gehen, weiß aber, worauf es ankommt.


SANDAN:
3.Graduierung = schwarzer Gürtel, Grad des anerkannten Weg-Schülers. Er hat sich nun entschlossen, den Weg der Kampfkunst, die er übt bis an sein Lebensende zu gehen. Der Meister erkennt ihn nun als wahrhaftigen Weg-Schüler an. Hier beginnt der Eintritt in die Ha-Form. Man erkennt den wahren Sandan an seiner Haltung in all seinen Handlungen, und nicht nur an seinem technischen Fortschritt.


YONDAN: 4.Graduierung = schwarzer Gürtel, Grad des technischen Experten-Kriegers. Er hat nun die technischen und körperlichen Grenzen erreicht und weiß nun, dass er sich auf einer anderen Ebene des Budo-Weges neuen Herausforderungen stellen muss. Der Yondan identifiziert sich nun vollkommen mit der Kunst, die er seit Jahren übt, indem er die Budo-Philosophie und die Budo-Technik miteinander so verbindet, dass er nun in der Lage ist, Fortschritte in der inneren Perfektion zu suchen und zu finden.
Der Yondan ist die Vorstufe zur wahren Meisterschaft.
Nun steht er vor dem Tor zur echten Budo-Meisterschaft.

Geistige Meistergrade "Kodansha"





5. Dan (Godan) und 6. Dan (Rokudan) "Kokoro - Grade des Wissens"

Diese Dan-Grade zeugen von einem hohen Mass an Wissen, Lebenserfahrung, Gefühl und innerer Haltung. Im traditionellen Karate-Do ist dies nun ein Lebensprinzip geworden. Der "Kodansha" ist nun nicht mehr "Schüler" er ist nun ein wahrer Meister und identifiziert sich völlig mit dem Weg. Er hat Theorie und Praxis des Karate-Do vollumfänglich verinnerlicht und ist bestrebt auch im Alltag nach diesen Prinzipien zu leben. Er ist in jeder Hinsicht kompetent, glaubwürdig und vorbildlich und kennt die philosophischen Aspekte des traditionellen Karate. Von nun an ist er eine bedeutende Autorität.
Er ist nun ein "Karate-Meister" mit Herz, Geist, Seele.




KODANSHA:
Die selbstständigen Lehrer und eigentlichen Meistergrade des Budo. Man unterteilt diese Grade in zwei Abschnitte, zum ersten in kokoro (5.Dan und 6.Dan) und zum zweiten in iro kokoro (7.Dan bis 10.Dan), begleitet mit den Titeln Renshi, Kyoshi und Hanshi. Diesen Meistergraden spricht man Seishin (geistige Reife) zu.
Kokoro = Der Mensch mit Bewusstsein, er ist ein Teil jener Kunst geworden, die er übt.

KOKORU

GODAN:
5.Graduierung = schwarzer Gürtel, Titel: Renshi, Mensch mit reifem Bewusstsein. Dieser Grad kann frühestens im Alter von 31 Jahren erreicht werden und setzt nicht nur eine entsprechende Budo-Erfahrung, sondern auch Lebenserfahrung voraus.

ROKKUDAN:
6.Graduierung = rot/weißer Gürtel (Block) oder aber auch schwarzer Gürtel, Titel: Renshi, freie Lehrer-Schüler-Beziehung, Bewusstwerdung, Klarheit, Selbsterkenntnis und Harmonie. Es gilt immer noch nach wie vor, sich in allen Budo-Angelegenheiten wie zuvor zu bemühen. Das betrifft sowohl die körperliche Übung wie auch die geistige Übung.
"Steter Tropfen höhlt den Stein".

IRO KOKORU:
Die Grade der Reife. Dies sind die höchsten Graduierungen im Budo, verbunden mit den Titeln Kyoshi (7. und 8.Dan) und Hanshi (9. und 10.Dan). Der Kyoshi und der Hanshi versuchen der endgültigen Meisterschaft ständig Genüge zu tun und befinden sich nun in der Ri-Form = Transzendenz im Wesen.

NANADAN:
7.Graduierung = rot/weißer Gürtel (Block) oder aber auch schwarzer Gürtel, Titel: Kyoshi, Großmeister des jeweiligen Stils. Bekennung zum Leben, Überwindung von Tod, Zustand des Nicht-Bewegens, Reife, geistige Klarheit in den kosmischen und menschlichen Angelegenheiten. Es ist dem Kyoshi klar, dass er auch die körperliche Übung nicht allein durch die geistige Übung ersetzen kann und übt daher immer noch täglich alle Techniken seines Systems.
Eintritt im die Ri-Form = Transzendenz im Wesen.

HACHIDAN:
8.Graduierung = rot/weißer Gürtel (Block) oder aber auch schwarzer Gürtel, Titel: Kyoshi, Großmeister des jeweiligen Stils. Auch der Hachidan weiß um die technische Übung bis ins hohe Alter.
"Wer rastet, der rostet". Im Budo gibt es kein vorzeitiges Pensionsrecht oder Ruhestand, denn die Übung geht bis ins hohe Alter, ja bis zum Lebensende.

KUDAN:
9.Graduierung = roter Gürtel, oder aber auch schwarzer Gürtel, Titel: Hanshi, Großmeister des jeweiligen Stils. Für den Hanshi sind all sein Verhalten und seine Handlungen Ausdruck von Einklang zwischen Innen und Außen und in Harmonie mit den kosmischen Kräften. Er hat das Satori gemeistert und öffnet jenen das Tor zu den Budo-Geheimnissen, die über jede Form der Technik hinausgewachsen sind.

10.Graduierung = roter Gürtel, aber auch schwarzer Gürtel, Titel: Hanshi, Großmeister des Stils, Vorstand des Stils, meist Begründer einer bestimmten Schule des jeweiligen Stils, Karatedo-Vater. Diese Graduierung ist frühestens ab einem Lebensalter von 70 Jahren möglich.
Die letzte Transzendenz!

ishin - denshin = "von Herz zu Herz"


Kritische Anmerkung

Erstaunlich bleibt selbst in Europa bei der "Abwertung" der Bedeutung des Schwarzgurtes die Tatsache, dass in manchen Organisationen eine "Inflation" der Dan-Grade festzustellen ist, obwohl ja hier (im modernen Kampf-Sport-Sinne) der Dan-Grad so etwas besonderes zu sein scheint. Insbesondere bei sogenannten "Dan-Träger-Verbänden" gibt es eine auffällige Konzentration und Anhäufung von allerhöchsten Dan-Graden.
Einzelne Personen mit 8. Dan, 9. Dan und 10. Dan, oft sogar sowohl im Karate, Judo, Allround kampf und was es da sonst noch so gibt, sind dort oft keine Seltenheit, sondern leider die Regel.
Diese hohen Dan-Grade verdienen allerdings keine Anerkennung, keinen Respekt, schon gar nicht im oben beschriebenen Sinne des Weg-Verständnisses von traditoneller Kampfkunst. Alles, was diese Leute darin sehen und erwarten ist das Materielle und sie verdienen damit viel Geld ...!